Veranstaltungsreihe “Gewalt & Gesundheit”
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Veranstaltungsreihe “Gewalt & Gesundheit”

  • von Frauenpower
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04. – 05.12.2018

„Wir sind unseren Kindern ein gewaltfreies Aufwachsen schuldig!“

Mit dieser Kernbotschaft appellierte Primia Drin Adelheid Kastner in ihrem lebendigen Vortrag „Die g’sunde Watschen und ihre möglichen Folgen“ an das zahlreich erschienene Publikum. Um Kindern Gewaltfreiheit gewährleisten zu können, seien Männer wie Frauen angehalten, gewaltfrei zu agieren. Nicht nur der schlagende Vater trage Verantwortung, auch die duldende Mutter müsse ihr Verhalten ändern und – zum Schutz ihrer Kinder – aus einer Gewaltbeziehung aussteigen.

Die ausverkaufte Veranstaltung im Raiffeisensaal Ried i.I., die gemeinsam vom Verein Frauennetzwerk3 und dem Frauenhaus Innviertel organisiert wurde, fügte sich in eine dreiteilige Reihe: Neben Kastners Vortrag am 4.12.2018 wurden am Tag darauf zwei Workshops abgehalten: So erarbeitete der Gewaltpädagoge Josef Gangl Antworten auf die Frage „Aggression – Lebensquell oder Krankheitsherd?“ und Pädagogin Petra Elisa Bieber behandelte die Thematik „Gewalt berührt“ – Ursache, Wirkung, Heilung.

Gewalt hat viele Facetten. Am deutlichsten und strafrechtlich verfolgt wird brachiale Gewalt in Form der „Watschen“ oder anderer körperlicher Übergriffe. Weniger sichtbar und subtil wirken Psychoterror, Erniedrigung und Unterdrückung. „Gewalt heißt jemand anderen an der Entfaltung seines Potentials zu hindern.“, definiert Kastner. Sie warnt vor Pauschalierungen und hat nicht nur den Mann als häufigsten Täter brachialer Gewaltakte im Visier, sondern sie spricht auch das Fehlverhalten jener Frauen an, die verbale Gewalt ausüben oder ihre Kinder nicht ausreichend vor Gewalt schützen, indem sie zu lange in diesen Beziehungen verharren.

Dass auch die gesellschaftlichen Entwicklungen begünstigende Faktoren für Gewalt darstellen, machte Kastner an der sich ständig steigernden und überfordernden Reizmenge durch Medien, Werbung, Mobilität etc. fest. Außerdem leben wir im Zeitalter des Narzissmus, erklärte sie: Menschen gieren nach Beachtung. Sie spricht von der „Währung der Bedeutsamkeit“, die z.B. im TV und in den sozialen Medien gehandelt werde. Amokläufer in Schulen – so genannte Schoolshooter – nannten als Begründung für ihre Gewalttat, man habe sie zu wenig beachtet.

Abschließend waren sich alle ReferentInnen einig: Die g’sunde Watschen gibt es nicht, genau so wenig wie g’sunde Erniedrigung oder g’sunde Unterdrückung. Kastner: „Wenn wir Gewalt verpönen wollen, müssen wir aufhören sie auszuüben!“

 

Foto Quelle: Franz Kaufmann
Gruppenfoto oben: Veranstalter Frauennetzwerk3 und Frauenhaus Innviertel mit Referentin Dr.in Adelheid Kastner
Portrait Vortrag unten: Referentin Prim.a Dr.in Adelheid Kastner

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